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Sieben Mal RSC bei der Velo-Challenge 2013

In diesem Jahr gehörte die Velo-Challenge erstmalig zur Jedermann Rennserie des "German Cycling Cup". Wie sich schnell herausstellen sollte nicht nur eine formale, sondern vor allen Dingen eine sportliche Aufwertung der Veranstaltung. Am Ende konnte Brigitte Gehrmann wieder einmal ihre Altersklassenwertung gewinnen, Bravo! - Ein (Leidens-)Bericht von Sascha.

Der gestiegene sportliche Anspruch wurde noch durch den Wegfall der bisher getrennt ausgetragenen deutschen Studentenmeisterschaft und somit Integration dieses Fahrerfelds in den Gesamtwettbewerb verschärft. Am Start waren Teams aus dem gesamten Bundesgebiet vertreten. Von Berlin bis NRW. Von Hamburg bis Rheinland Pfalz. Vom RSC habe ich am Start nur Thorben gesehen. Später im Ziel noch unseren Spanier und Sebastian Rösch.
Bereits bei der Startaufstellung habe ich mich gefragt, ob das wirklich "Jedermänner" im eigentlichen Sinne sind: Im ersten Startblock der 116km Runde fast ausschließlich dünne, drahtige, braungebrannte Modellathleten. Überwiegend in einheitlicher Teamkleidung incl. einheitlichen Schuhen, Helm, Rad, Trinkflaschen, Laufräder, etc. Alles nur vom Feinsten wie DuraAce Di2 oder Lightweight. Trotz unseres neuen wirklich schönen Trikots sieht man daneben dann schon blass aus.
Sowas habe ich persönlich bisher noch nicht erlebt. Zugegeben, im Amateurbereich gibt es mal Veranstalltungen bei denen ein, zwei aufgemotzte Teams am Start stehen, aber in der heutigen Ausprägung kann ich mich nicht erinnern, mal bei so einem Rennen am Start gewesen zu sein.

Sascha vor dem Start
(Foto: Gerhard Streich)

Um 9:25h erfolgte dann der Start auf Höhe des NDR Funkhauses. Und es ging gleich richtig zur Sache. Aus dem Stand hoch auf Tempo 50, gepaart mit den üblichen Positionskämpfen. Auf Höhe des Strandbades dann die erste Perlenkette. Spätestens hier sollte jedem klar gewesen sein, dass die Veranstaltung im Vergleich zu den vorigen Jahren anders verlaufen und kein Zuckerschlecken werden wird. Die folgenden Kilometer über Hemmingen, Harkenbleck, Pattensen, Gestorf und Mittelrode sind schnell erzählt: Immer wieder Wechsel zwischen Tempo 30 und 50. Also antreten, beschleunigen und wieder abbremsen. Je nach dem, ob jemand Führung fahren wollte oder nicht. An der Spitze auf den ersten 30 Positionen dauerhafte Einerreihe. Unabhängig von der Windrichtung mal am rechten, mal am linken Straßenrand. Natürlich nur um die anderen zu ärgern. Dahinter Unruhe höchster Güte. Unterm Strich keine Chance nach vorne zu kommen ohne Kopf und Kragen zu riskieren. Somit habe ich persönlich es lieber vorgezogen meine Position, an ungefähr Platz 200, zu halten. Hinter Mittelrode, auf der Strecke der diesjährigen LVM, änderte sich die Situation dann schlagartig. Der Wind wehte für die ambitionierten Fahrer und Teams nun scheinbar aus der richtigen Richtung. Nämlich schräg von vorne. Also beste Bedingungen um jemanden auf die Windkante zu nehmen. Und so sollte es nun auch sein. Wenn das Rennen vorher hart war, dann wurde es jetzt hammerhart. Es entstand eine 500m lange auf dem weißen Strich des rechten Straßenrand fahrende Einerreihe, in der immer wieder Löcher entstanden, die es zu Stopfen galt. Als die Spitze auf die Straße Richtung Eldagsen bog, traute ich meinen Augen nicht. 10 Mann Spitzengruppe mit 150m Loch. Und das 90km vor dem Ziel. Die folgenden Kilometer Richtung Eldagsen das gleiche Spiel. Nur dieses mal am linken Straßenrand.
Das konnte in der Art und Weise natürlich auf Dauer nicht gut gehen. Und so kam es wie es kommen musste, dass sich 2km vor Eldagsen die Spreu vom Weizen trennte. Fortan bestand die Spitze aus ca. 100 Fahrern. Dahinter Gruppe 2 aus 50 Fahrern und dahinter zerstreut "der Rest". Manchmal entscheiden ja bekanntlich wenige Meter zwischen Sieg und Niederlage. Bei mir haben heute in dieser Situation leider 50m für die Zugehörigkeit zur Spitze gefehlt. Aber mehr war nach der Löcherstopferei bei Puls 190 nicht möglich.
Fortan fand ich mich also in Gruppe 2 wieder. Nach der Winkantenreiterei war das Tempo nicht übermäßig langsamer als in der Spitze, denn der Abstand blieb annähern konstand. Dafür ging es nunmehr in unserer Gruppe, was die Fahrweise betrifft, wesentlich ruhiger, gesitteter und harmonischer zur Sache. Hinter Eldagsen gesellte sich von hinten kommend noch Thorben dazu und bestätigte, das hinten fahren irgendwie Mist ist.
Wir meisterten ohne weitere Probleme die Holzmühle und fuhren über Coppenbrügge und Hachmühlen nach Bad Münder. Die Spitze immer "im Blick". Der Abstand wird bis zum Nienstedter wohl nie größer als 2 Minuten gewesen sein. Kurz vor Hachmühlen habe ich Thorben nochmal intensiv ins Gewissen geredet "Körner" zu sparen, keine Führung zu fahren und immer schön im Windschatten zu bleiben, damit ihm nicht das gleiche Schicksal ereilt wie jetztes Jahr (dort musste er 15km vor dem Ziel auf der Windkante abreißen lassen). Er bestätigte, dass ihm das durchaus noch allgegenwärtig ist und er es dieses Jahr besser machen will.
Von Bad Münder über Hamelspringe, Bakede, Beber und Hülsede ging es ohne große Vorkommnisse in rasendem Tempo nach Messenkamp. In Messenkamp drehten wir dann endlich vollends in den Wind, welcher fortan kontinuierlich von hinten kam. Hinter Messenkamp dann nochmal an Thorben der Hinweis am Berg "nur mitzufahren" und nicht alles zu geben. Thema: Körner sparen und Verbesserung zum Vorjahr. Der Hinweis schien angekommen zu sein.
Mein Ziel für die folgenden 7km war: egal wie, aber am Nienstedter muss ich mich Minimum am Zipfel meiner 50 Mann Gruppe über die Kuppe retten. Denn sonst werden die letzten 40km sehr einsam. Am dem Nienstedter vorgelagertem Berg (wie heißt der eigentlich) ging die Taktik noch auf. Dort bin ich oben an Position drei oder vier rüber gerollt. Dann runter nach Nienstedt. Aus Nienstedt raus in den Berg rein an Position zehn. Die ersten 300m sind ja bekanntlich die schwersten. Hier verlor ich Position um Position. Es war ein Gefühl von: "Verflixt noch eins, wer zur Hölle hält sich dort an meiner Sattelstütze fest?" Dort wo es dann langsam wieder flacher wird, am Bushaltestellenschild, habe ich mich vorsichtig getraut mal umzuschauen. Mist....nur noch drei Mann hinter mir und nach vorne schon 10 Meter Loch. Da waren Sie wieder meine diesjährigen drei Probleme: keine Kraft, zu viel Gewicht, zu steile Steigungsprozente. Das ewige Problem mit dem Kraft-Masse-Verhältnis.....nicht wahr Nils? Oben am Pass folgendes Bild: Ich letzter, knapp vor mir drei Mann, davor...nix! Ich dachte nur "Klasse Sascha, spitzen Taktik, voll aufgegangen." In der Schule würde man wohl sagen "sechs setzen".

Nach getaner Arbeit
(Foto: Gerhard Streich)

Alles Jammern hilft ja nichts. Also den Nienstedter runter, drei Leidensgenossen eingesammelt und mit einem Kraftakt haben wir hinter Langreder 12 weitere Fahrer unserer ehmaligen 50er Gruppe aufgelesen. Die folgende Reise über Redderse, Gehrden und Ronnenberg hat außer Rückenwind nichts Erwähnenswertes. Kurz vor Hiddestorf erblicke ich vor uns fahrend ein Wunstorfer Trikot. Thorben! Der hält sich nur kurz in unserer Gruppe auf um dann leider hinten rauszupurzeln. Schade, wieder gut über die Berge gekommen, wohl aber überzogen. Diesmal kam der Mann mit dem Hammer für ihn leider noch früher als letztes Jahr.
Auf den letzten 20km bis zum Maschsee passierte dann erwartungsgemäß nicht mehr viel. Außer zwei spektakulären Reifenplatzern bei Tempo 50 und das Einsammeln einzelner Fahrer, die von vorne zurückgefallen sind.
Am Maschsee angekommen, begannen dann die Spielereien für den "Zielsprint". Ja, auch um Platz 150 wird noch gesprintet! Es geht ja schließlich um die Ehre. Mal fuhr der eine, dann der andere, mal keiner. Die gesamte Breite der Straße wurde genutzt. Irgendwann wollte jemand Windkante fahren. Dafür hätte er nur ganz rechts und nicht ganz links fahren müssen. Ergebnis: perfekte Windstaffel. Dieses Gastgeschenk habe ich dankend angenommen und habe mich 500m vor dem Ziel höflich von meinen Mitstreitern verabschiedet und bin aus dem Windschatten heraus auf der rechten Straßenseite alleine der Zielliene entgegengefahren. 50m habe ich ins Ziel gerettet.
Mit 2:58:31 bin ich als 147. nur etwas weniger als 3 Minuten langsamer als letztes Jahr. Wenn ich meinen gegenwärtigen Fitnesszustand und den heutigen Rennverlauf betrachte, dann kann ich damit mehr als zufrieden sein. Unterm Strich bleibt nur die Erkenntnis, dass mit etwas mehr Cleverness wesentlich mehr möglich gewesen wäre.
Gewonnen hat Vorjahressieger Daniel Knyss in 2:47:23 vor Marek Bosniatzki dem Gewinner der German Cycling Cup Gesamtwertung 2012. Die Siegerzeit ist ganze 8 Minuten schneller als letztes Jahr! DDM und der Kapitän können sicher bestätigen, dass wir letztes Jahr nicht getrödelt haben.

Folgende Ergebnisse gibt es aus RSC Sicht noch zu berichten:
Herren
184. Thorben Albers (3:02:21)
379. Lito Diaz-Deger (3:12:56)
773. Holger Schoppe (3:37:59)
921. Ulrich Gehrmann (3:53:46)
1013. Horst Don (4:16:18)
=> Sebastian Rösch kann ich im Ergebnis nicht finden
Damen
53. Brigitte Gehrmann (3:57:46)

Abschließend möchte ich noch ein paar Worte zum sportlichen Niveau dieser Veranstalltung loswerden:
Wie ich bereits eingangs erwähnt habe hat die Zugehörigkeit zum German Cycling Cup zu einer gehörigen sportlichen Aufwertung beigetragen. Nicht nur die Teilnahme von nach außen wirkenden semi-professionellen Teams sondern auch der Rennverlauf während der ersten Kilometer und die um 8 Minuten bessere Siegerzeit sprechen meines Erachtens eine deutliche Sprache. Im German Cycling Cup scheint es nicht nur alleine um den idealistischen Wert des sportlichen Erfolgs zu gehen. Vielmehr geht es hier wohl auch um Geld. Die Frage, die sich da natürlich unweigerlich aufdrängt ist, ob es sich dann noch um eine Jedermann Veranstalltung im eigentlichen Sinne handelt. Bei der Betrachtung der Ergebnisse findet man sowohl eine Vielzahl aktueller ABC Lizenzfahrer als auch ehemalige ABC und KT Fahrer, die allesamt vor 3 bis 5 Jahren noch Lizenzrennen gefahren sind?
Für mich persönlich war das Niveau nicht das eines Jedermannrennens sondern eher das eines ABC-Elite Lizenz Rennens.

P.s.: Prüfi und der Kapitän starteten über die 67km für das Team "Rad Mitte Magdeburg" und gewannen die Teamwertung. Mehr weiß ich leider nicht zu berichten.

Sebastian Rösch hatte keine

Sebastian Rösch hatte keine Lust in Startblock C zu starten und ist somit nur auf Platz 193 gelandet, fuhr allerdings auch unter anderer Identität... Hat trotzdem Spass gemacht... Und war ne gute Vorbereitung für die Transalp (Bericht folgt).

Fremdgegangen

Ich möchte euch diese schönen Bilder von Gerhard nicht vorenthalten. Eine Stufe weiter oben als im vergangenen Jahr! Zwei von vier Ausreißern aus unserem Team, da war die Teamwertung entschieden. Bei der Siegerehrung stand übrigens auch Prüfi auf dem Podest, aber nur sein Nachwuchs ist auf dem Bild zu sehen... Nun, er war ja sowieso hinter mir im Ziel und somit nur der Fünfte des Teams, wo nur vier in die Wertung kommen ;-)

Kurz vor Pattensen war das Rennen bereits entschieden Siegerehrung über 67 Kilometer (Mannschaftswertung)


Rückmeldungen Velo Challenge

Man sieht an den erfreulich zahlreichen Rückmeldungen, dass die Velo Challenge tatsächlich eine der wichtigsten Veranstaltungen der Region ist. Es erreichten mich auch noch ein par Worte von Ulli Gehrmann mit einem Bild von Brigittes Siegerehrung, die ich hier einstelle.
Die Zahl "7" stammt übrigens von mir bei der Übertragung von Saschas Forenbeitrag, bei der ich mich nur auf die Ergebnisliste stützen konnte. Bei genauer Betrachtung fuhren dann mit Sebastian, Christian und Holger nicht weniger als 12 RSC-Mitglieder auf beiden Streckenlängen.

RSC-Trikot auf dem Podest

Brigitte auf dem Podest

Brigitte Gehrmann startete aufgrund ihrer GCC Punkte in der Startgruppe C und sah die Vereinskameraden in den schnellen Gruppen vorbeirauschen. Den Sog der Express fahrenden Züge konnte sie allerdings nicht als Windschatten nutzen und musste auf ihren aus Startblock D in der schnellen Lito-Gruppe hinterherhetzenden Mann warten, der sich besonders für die nächsten 50 km als Windschattenspender qualifizierte.

Sie gewann ihre Alterklassenwertung und bestieg mit dem neuen Trikot des RSC das Siegerpodest. Da die viel schnelleren Clubkameraden nach dem Duschen und der Massage wohl schon zu Hause bei Kaffee und Kuchen saßen, musste sie das Fläschchen geschlossen mit nach Hause nehmen!

Hier das Bild der Siegerehrung, im Hintergrund Detlef Wachsmuth, der den ganzen Tag den unermüdlichen Sprecher gab.

schöner Bericht

Ja, schöner Bericht und gut, das alle Wunstorfer, so auch Marit und Mirco sturzfrei durchgekommen sind.

Sicherlich fragt sich jetzt der Eine oder Andere, wer wir eigentlich sind, bzw. waren. Wir sind in diesem Jahr für das Rotz Racing Team unterwegs und wechseln nach 8 monatiger Mitgliedschaft im RSC zum Monatsende zum HRC, weil wir dort etwas mehr Beachtung bekommen, die Kommunikation besser ist und das Training leistungsbezogen angeboten wird.

Zur Velo Challenge kann ich sagen, dass mich das Leistungsniveau im GCC keineswegs überrascht, denn es war letztes und vorletztes Jahr auch schon so, nur das z.B. die Velo Challenge, weil nicht im GCC, uninteressant für die Teams war. Mittlerweile sind auch Durchschnittsgeschwindigkeiten von 40+, selbst bei 140km und fast 1500hm im Spitzenfeld keine Seltenheit.

Achja, fals es interessiert hier noch die Ergebnisse der "noch RSCler"

Mirco Friese 116km 128. (02:55:41)
Marit Friese 67km 48. (02:05:00)

Den Wechsel mit den genannten

Den Wechsel mit den genannten Gründen kann ich nachvollziehen, habe ich auch so erlebt.
Hat sich also nicht geändert.

Sehr guter Bericht! Alles was

Sehr guter Bericht! Alles was Sascha geschrieben hat, kann ich so nur unterschreiben. Was mich besonders geschockt hat, war das Tempo nach dem Start, bis sich dann die Spreu vom Weizen getrennt hatte. Ich finde ebenfalls, dass man einen ziemlichen Unterschied zu den Vorjahren bemerken konnte. Dies finde ich eher negativ, da ich die Veranstaltung in den Vorjahren eigentlich immer ganz gut fand (und auch deutlich besser war) und sie nun zu einer fast professionellen Veranstaltung verkommen ist, die meiner Meinung nach nicht mehr viel mit "Jedermann" zu tun hat.

Nachdem ich über den Deister erwartungsgemäß ganz gut rübergekommen bin, hatte ich danach wie auch letztes Jahr mit ziemlichen Krämpfen zu kämpfen, die es mir unmöglich machten, der Gruppe bis ins Ziel zu folgen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich froh bin, die Veranstaltung gesund überlebt zu haben. Denn ich habe in der nervösen Anfangsphase einen Sturz fast hautnah miterlebt.

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