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Fünf Tage mit dem MTB um den Gardasee

Was macht man, wenn es zuhause alle zwei Tage gewittert und vernünftiges Mountainbiken beinahe unmöglich ist? Na klar, man fährt in den sonnigen Süden! Für schöne Touren auf abwechslungsreichen Strecken sind die Alpen ohnehin das Optimum, zudem mit dem Auto relativ einfach erreichbar.

Allerdings war klar, dass man schon bis über den Brenner fahren musste, war doch eine Woche zuvor noch die erste Etappe des MTB-Transalp in Bayern wegen Schneefalls abgesagt und die zweite verkürzt worden. Die Wahl fiel auf den nördlichen Gardasee, der ein bekannt gutes Revier für Mountainbiker ist und auch von uns schon mehrfach besucht wurde. Anders als üblich wollten wir nicht nur Tagestouren machen, um auch mal ein paar neue Wege und Gegenden kennen zu lernen. Da kam uns die Beschreibung einer Umrundung von Riva del Garda aus in der Zeitschrift Mountainbike als Vorlage gerade recht. Auf fünf Tage geschrumpft und an unsere Vorlieben angepasst musste die Tour nur noch auf das GPS-Gerät geladen werden und schon konnte es losgehen. Fast, denn für die geplanten fünf Tage würden wir eine ganze Menge Gepäck mitschleppen müssen. Die Tests ergaben: Sieben Kilo ungewohntes Zusatzgewicht in Form eines 30 Liter großen Rucksacks würden uns begleiten.

„Uns“ bedeutete in diesem Fall Alex, Udo und mich. Sonntag war Anreisetag, zehn Stunden Autofahrt bei schönstem Sommerwetter. Nach Abfahrt an den See in Torbole als erstes ein Eis zur Eingewöhnung, ein Zimmer in Riva zu finden stellte sich trotz Hochsaison als problemlos heraus, nun mussten wir nur noch die obligatorische Pizza in der - typisch italienischen - Pizzeria Bavaria essen. Die war wie immer genial, bis hierhin war alles optimal gelaufen und das machte gute Laune und Mut für die kommenden Tage.

Tag 1: Riva del Garda – Vesio

Letzter Einkauf in Riva vor der Abfahrt
Letzter Einkauf in Riva del Garda

Für den ersten Tag hatten wir eine Tour mit nur einem Berg zum Einrollen gewählt, technisch wie konditionell recht einfach. Aus dem quirligen Riva verabschiedeten wir uns möglichst schnell in die Berge.

Über die alte Ponale-Straße [1.1] ging es hoch ins Ledro-Tal. Obwohl noch relativ früh am Tag merkte man bereits hier, dass die Wettervorhersage von 30 Grad sich bewahrheiten würde. Leider wehte der namensgebende Wind auf der Schottersteigung vormittags noch nicht, keine besonders schonende Art der Akklimatisierung. Zum Lago di Ledro folgten wir der ausgeschilderten Radstrecke, die mit einigen knackigen Steigungen überraschte. Aber so richtig ernst wurde es erst danach, als der Aufstieg zum Passo Tremalzo [1.2] auf einer gut zehn Kilometer langen und stetig knapp zehn Prozent steilen Straße anstand. Als Touris waren wir natürlich schön in der Mittagssonne unterwegs, so recht wollte außer dem Schweiß nichts laufen. Zum Glück entschädigten einige schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge für die Mühen. Von oben wollten wir den ersten Teil des „legendären“ Tremalzo-Downhills fahren, um dann am Passo Nota [1.3] nach Süden abzubiegen. Die folgende Abfahrt war, nach einem kleinen Gegenanstieg, ganz nett. Beim Blick von oben auf den kleinen Ort Vesio fiel uns gleich die nicht besonders hübsche Hotelanlage auf. Von Nahem betrachtet war dies aber eine optimale Unterkunft mit überwältigendem Blick auf den jenseits des Sees gelegenen Monte Baldo.

Der höchste Punkt des Tages vor dem Tremalzo-Tunnel Blick auf Lago di Garda und Monte Baldo vom Tremalzo-Downhill Schotter zwischen Tremalzo-Tunnel und Passo Nota
Der höchste Punkt des Tages vor dem Tremalzo-Tunnel Blick auf Lago di Garda und Monte Baldo vom Tremalzo-Downhill Schotter zwischen Tremalzo-Tunnel und Passo Nota

Tag 2: Vesio – Bogliaco

Kleine Abkürzung nach verpasstem Abzweig
Abkürzung nach verpasstem Abzweig
Trail in der Nähe des Lago di Valvestino
Trail am Lago di Valvestino

Am zweiten Tag ging es rund um den Lago di Valvestino, wo wir einige Trails aus der Vergangenheit kannten, die wir bei dieser Gelegenheit fahren wollten. Der Wetterbericht sagte weiter steigende Temperaturen voraus, die Sonne strahlte entsprechend vom nur morgens noch leicht bewölkten Himmel. Nach einem ausgiebigen und leckeren Frühstück machten wir uns recht zeitig auf den Weg, da die Strecke diverse Höhenmeter vorsah.

Zuerst fuhren wir auf der Straße nach Tignale, bevor es dann hoch ging zum Bocca di Paolone [2.1], da wir unbedingt von Costa aus zum Stausee abfahren wollten. Dort gibt es einige schöne Trails, die allerdings nicht leicht zu finden sind – wie z.B. der Sentiero 57 [2.2]. Im oberen Teil wählte Udo den unsanften Abgang vom Rad, glücklicherweise gab es aber nur ein paar Schrammen. Unten am See folgte dann noch ein Plattfuß – er hatte wohl nicht den glücklichsten Tag erwischt. Dort konnte man sich noch einmal an einem kleinen Wasserfall erfrischen, der folgende Anstieg auf der Straße nach Capovalle war, wie vorauszusehen, sehr warm. Zumeist ohne einen kühlenden Lufthauch können auch 500 Höhenmeter schon zu Pausen zwingen, das Thermometer zeigte in der Sonne (Schatten gab es nicht) über vierzig Grad an. Weiter ging der Anstieg dann etwas angenehmer im Wald recht unspektakulär bis zum Passo di Ganone. Von dort ein Single-Trail [2.3], zwar kein Downhill, aber dennoch sehr lohnenswert. Danach wurde es Zeit wieder in Richtung Lago di Garda zu kommen, daher mussten wir leider eine unschöne und sinnlose Höhenmetervernichtung [2.4] begehen. Nur um gleich anschließend wieder hinauf zu fahren [2.5]. Wir waren jedenfalls alle bereits ziemlich angeschlagen und wollten nur schnell ins Hotel. Beim ersten Versuch die Abfahrt auf der Hauptstraße zu umgehen, fuhren wir noch eine schöne Ehrenrunde, um dann doch die Straße zu nehmen. Das letzte Stück auf bis zu 30 Prozent steiler Betonstrecke war dann noch dazu angetan meine Bremsbeläge derart zu verbrennen, dass sich meine Mitfahrer bereits über den Gestank beschwerten. Die Abkühlung mit Wasser nutze dann auch nicht mehr viel, da die Beläge bereits verglast waren.

Wir plünderten anschließend den Lebensmittelladen im Ort und verschlangen das Abendessen im Hotel. Leider war es auch um elf Uhr abends noch derart warm, dass selbst direkt am See keine ausreichende Abkühlung vorhanden war.

Tag 3: Bogliaco – Avio

Wiesentrail 1500 Meter über dem Etsch-Tal

Wiesentrail gut 1500 Meter über
dem Tal der Etsch

An diesem Tag wollten wir uns den Luxus erlauben, mit der Seilbahn [3.1] auf den Monte Baldo zu fahren. Leider mussten wir dazu 30 Kilometer am Seeufer auf der Hauptstraße zurücklegen – glücklicherweise ohne Tunnel. Da wir aufgrund des sportlichen Tagesprogramms gleich die erste Fähre um Acht erreichen wollten, ging es ohne Frühstück los - das hat sich nicht gut angefühlt! In Malcesine angekommen hatten wir noch genug Zeit, daher gönnten wir uns ein wohlverdientes, ausgiebiges Frühstück. Am Ticketschalter durften wir dann feststellen, dass die Plätze für Fahrräder sehr begrenzt sind und wir erst um viertel nach Zwei – also vier Stunden später – würden hochfahren können. Notgedrungen legten wir eine Pause am Strand ein. Letztendlich kamen wir doch noch nach oben und hatten einen großartigen Ausblick von der Colma di Malcesine [3.2]. Weiter ging es über den Bocca del Creer [3.3] und San Valentino zum Sentiero della Pace [3.4]. Hoch über der Autobahn im Tal der Etsch (italienisch: Adige) hatten wir zwei mögliche Abfahrten nach Avio im Visier, die in einer älteren MTB-Zeitschrift angepriesen wurden. Nach dem Corno di Paura zweigen zuerst der Sentiero 686 [3.5] und ein paar Kilometer später der 687 [3.6] ab ins Tal, wir entschieden uns für den zweiten. Mehr als 1.000 Höhenmeter am Stück ging es hinab, gerade im oberen Teil mit einigen kurzen Tragepassagen anspruchsvoll aber schön. Gegen Ende, wo es nicht mehr so schwierig war, leiste ich mir dann eine Unachtsamkeit und stieg unsanft vom Rad ab. Da unser ursprüngliches Programm durch die Verzögerung am Morgen nicht mehr möglich war – und wohl auch sonst unrealistisch gewesen wäre – suchten wir eine Übernachtung in Avio. Die erste Herberge war auch gleichzeitig Pizzeria, das kam uns sehr gelegen, und da es unglaublich lecker war bestellten alle auch noch eine zweite Pizza.

Tag 4: Avio – Camposilvano

Erfrischung am Gebirgsbach "mitten im Nirgendwo"
Erfrischung an einem Gebirgsbach
"mitten im Nirgendwo"

Durch das Tal der Etsch führt neben der Autobahn noch eine überregionale Landstraße, aber ab 22 Uhr scheinen gerade die LKW am liebsten mitten durch den Ort Avio zu fahren. Dummerweise war es aufgrund der Wärme bei geschlossenem Fenster im Zimmer kaum auszuhalten, bei offenem war wenigstens die Kirche auf der gegenüberliegenden Straßenseite gut zu hören, die auch nachts jede Stunde laut gab. Nur Udo schien mit Ohrenstöpseln eine gute Nachtruhe zu haben!

Das angepasste Programm sah für heute nur einen Anstieg vor, also ein sehr kurzer Tag. Wir ließen uns am Morgen Zeit, nachdem das typisch italienische Frühstück im Hotel sehr mager war nahmen wir noch ein Brunch vor dem Supermarkt. Einziger ernsthafter Programmpunkt war der Aufstieg zum Passo Buole [4.1], also gerade einmal 1.300 Höhenmeter. Zu Beginn des Anstiegs ging es auf Asphalt hoch, allerdings waren auch schon die ersten eineinhalb Liter Wasser verbraucht. Der Fluss, neben dessen Bett unser Weg dann nach dem letzten Abzweig auf immer grober werdendem Schotter hoch führte, war komplett ausgetrocknet. Die Sonne brannte so gnadenlos auf den schattenlosen Weg, dass wir nicht wie vorgesehen alle 250 Höhenmeter eine Pause einlegten, eher alle paar Minuten. 45 Grad zeigte das Thermometer an, das entsprach auch etwa der gefühlten Temperatur. Bei einer Geschwindigkeit zwischen 3,5 und 6 km/h gab es selbstverständlich keinen Fahrtwind, selbst weiter oben war nicht der kleinste Hauch zu spüren. Das war nicht mehr grenzwertig, sondern bereits ein gutes Stück darüber. Ein paar Mal waren wir tatsächlich kurz davor umzudrehen, da die Wasservorräte sich viel zu schnell dem Ende zuneigten und keine Abhilfe in Sicht war. Drei Dinge haben uns dann doch gerettet: Zum einen gab es durch kleine Schleierwolken und ein paar Bäume irgendwann doch etwas Schatten, im weiteren Verlauf des Weges waren Höfe und Bäche eingezeichnet und zu guter letzt gab es keine Alternative für das Erreichen des Highlights der Tour, dem Pasubio. Wasser gab es leider nicht, alle Quellen unterwegs waren komplett ausgetrocknet. Auch die erhoffte Verpflegung am Pass fiel aus, da alle Hütten geschlossen waren. Die anschließende Abfahrt nach Loner [4.2] war dann aber gut. Zivilisation war immer noch nicht in Sicht, aber am Ende des Downhills fanden wir endlich einen Gebirgsbach, an dem man sich abkühlen und den einen oder anderen Liter Wasser fassen konnte. Nach der ausgiebigen Pause stellte ich mit Blick auf die Karte fest, dass der nächste Ort hinter der folgenden Kurve sein musste… Da waren es nur noch ein paar Serpentinen bis ins verschlafene Örtchen Camposilvano, wo wir eine nette Pension fanden.

Tag 5: Camposilvano – Riva del Garda

Aufstieg am Pasubio auf alten Militärtrails
Aufstieg am Pasubio auf alten Militärtrails
Stärkung im Rifugio Papa
Stärkung im Rifugio Papa

Nach einer sehr angenehmen Nacht in 1.000 Metern Höhe, als einzige Nichtitaliener im ganzen Ort, ging es bei bedecktem Himmel auf Straße zum Passo Pian delle Fugazze, wo der Einstieg in Richtung Pasubio auf der Strada degli Eroi [5.1] anstand. Die knapp eintausend Höhenmeter bis zum Rifugio (General A.) Papa [5.2] an der Porte del Pasubio [5.3] waren angenehm gut zu fahren, sicher auch weil die Sonne nicht schien und ein kühler Wind wehte. Aber auch auf knapp zweitausend Metern war es nicht gerade „kalt“, bestenfalls etwas frisch in den verschwitzten Trikots. Weste und Armlinge hatten nach der Verpflegungspause auch schnell wieder ausgedient, denn wir fuhren noch etwas höher in Richtung Dente Italiano und Dente Austriaco [5.4]. Mit 2.220 Metern war die italienische Stellung aus dem ersten Weltkrieg auch der höchste Punkt der gesamten Tour. Hier konnte man im Grunde bis auf wenige Meter nirgends mehr fahren, aber die Landschaft war spektakulär und die Hinterlassenschaften aus dem Krieg sehr eindrucksvoll. Mit gerade einmal 150 Metern Abstand hatten sich Italiener und Österreicher im Berg eingegraben und sogar die gegnerischen Stellungen untertunnelt, um sie in die Luft zu jagen.

Nach weiterem Schieben konnte man ab dem Sella del Piccolo Roite [5.5] wieder fahren, wenn auch auf sehr schmalem und teilweise ausgesetztem Single-Trail. Das war aber nur ein Vorgeschmack, der Weg ab der Bocchetta di Foxi [5.6] war wirklich nur etwas für schwindelfreie und trittsichere Fahrradträger - teilweise. Die anschließende Abfahrt wurde nach anfänglichen Schiebepassagen dann doch noch sehr gut. Im nächsten Ort versorgten wir uns noch einmal ordentlich und machten uns ab da auf der Straße über Rovereto auf den Weg nach Riva. Ursprünglich wollten wir ja einen Tag früher über den Pasubio und eine Schleife nach Norden fahren, so mussten wir zum Abschluss noch ein paar Überführungskilometer absolvieren. Das ging dann auf den teilweise extra angelegten Radwegen „Pista Ciclabile Valle dell'Adige“ [5.7] überraschend gut und war ein stressfreier Abschluss einer sehr gelungenen Woche.

Hochgebirge: Der kahle Gipfel des Monte Pasubio Auf dem Sentiero 102 ist Schwindelfreiheit hilfreich Ausblick auf den Lago di Garda als Belohnung
Hochgebirge: Der kahle Gipfel
des Monte Pasubio
Auf dem Sentiero 102 ist
Schwindelfreiheit hilfreich
Ausblick auf den Lago di Garda
als Belohnung

Holger

Hier noch ein paar Bilder als Bonus:

Schotterband des Tremalzo Schöne Aussicht: Vesio Pause vor dem Rifugio Pirlo Spino
Schotterband des Tremalzo Schöne Aussicht: Vesio Pause vor dem Rifugio Pirlo Spino
Hotel mit Aussicht in Bogliaco Konkurrenz um Trinkwasser? "Teilweise ausgesetzt": Der Sella del Piccolo Roite
Hotel mit Aussicht in Bogliaco Konkurrenz um Trinkwasser? "Teilweise ausgesetzt":
Der Sella del Piccolo Roite

 GPS-Tracks der Tagestouren

  1. http://www.gpsies.com/map.do?fileId=tlazhfnaixevbovv
  2. http://www.gpsies.com/map.do?fileId=yemxtbqhznjbvphg
  3. http://www.gpsies.com/map.do?fileId=iulvezxniwmxqqxt
  4. http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ezpgczubwhbjnsir
  5. http://www.gpsies.com/map.do?fileId=yekdcdemcxonsmqb
 
Einzelheiten zu den Strecken und Wegpunkten
 
Da ich es bei der Vorbereitung der Tour für viele Wege schwierig fand Informationen zur Mountainbiketauglichkeit zu bekommen, besonders wenn sie weiter als eine Tagestour von Riva entfernt sind, hier ein paar für andere (vielleicht) nützliche Informationen. Natürlich sind das alles nur subjektive Empfindungen und Tipps für unsere Art Mountainbike zu fahren.
 
[1.1] Ponale: Die Ponale-Straße ist seit einigen Jahren extra für Mountainbiker wiederhergestellt worden und stellt, abgesehen vom Autotunnel, die einzige direkte Verbindung ins Ledro-Tal und nach Pregasina dar. Sie ist zum Großteil asphaltiert und daher auch für Anfänger problemlos zu meistern. Abgesehen von der Hitze im Hochsommer und den mindestens 350 Höhenmetern gibt es keinerlei Schwierigkeiten.
[1.2] Tremalzo: Die Abfahrt vom Tremalzo auf einer breiten, für geländegängige Autos fahrbaren Schotterstraße ist eigentlich nicht sonderlich spektakulär, zumindest wenn man auf technische Abfahrten steht. Andererseits ist es landschaftlich ansprechend und die Ausblicke auf den See sind die Mühe wert. Überhaupt nicht nachvollziehen kann ich allerdings die häufig zu findende Variante „Schotter rauf, Straße runter“. Uns sind diverse Leute entgegen gekommen, aber auf dem groben Schotter muss die Auffahrt mühsam und langweilig sein. Anders herum fährt man bequem auf der fast autofreien Straße, am Rifugio Garda hatte für uns „endlich“ der Asphalt ein Ende und der höchste Punkt, der Bocca di Val Marza auf 1889 Meter üNN, war erreicht.
[1.3] Passo Nota: Die Abfahrt über den Sentiero 421 in Richtung Lago di Ledro kenne ich leider noch nicht, für Hinweise bin ich dankbar. In Richtung Bocca dei Fortini geht es weiter als „langweiliger“ Schotterweg, wir sind stattdessen nach Süden in Richtung Tremosine gefahren. Dort allerdings nicht entlang des Flusslaufes im Valle di Bondo, der Weg eignet sich bestenfalls zum Hochfahren, da er langweilig, breit und befestigt ist. Wir wählten die östliche Variante über den Corna Vecchia (Sentiero 102, 104, 106), welche zwar „auch nur“ ein Schotterdownhill ist, sich aber nett fahren lässt.
 
[2.1] Bocca di Paolone: Um von Tremosine zum Lago di Valvestino oder im späteren Verlauf zum Lago d’Idro zu kommen, muss man über einen Höhenzug fahren. Die schwerste Variante wäre zumindest laut Karte der Sentiero 257 im Valle Tignalga. Leichter scheint wegen besserer Streckenqualität der S. 253 über den Passo d’Ere zu sein. Wir sind aber von Aer aus über S. 251 und 253 durch das Valle di Vione zum Passo Fobbia gefahren, das erspart einem 300 Höhenmeter. Diese Variante ist zwar teilweise recht steil, aber aufgrund des festen Untergrundes überall prinzipiell fahrbar und angenehm schattig im Wald. In Gegenrichtung auch wieder als Mountainbike-Route ausgeschrieben, wie so oft „absolut nicht empfehlenswert“.
[2.2] Sentiero 57 (Lago di Valvestino): Vom S. 50 kann man kurz nach Costa rechts in einen nicht ausgeschilderten Weg fahren. Nach vielleicht ein paar hundert Metern zweigt links der als „Privatweg“ gekennzeichnete Sentiero 57 ab (geradeaus ist Sackgasse). Der ist technisch einigermaßen anspruchsvoll (weil steil), aber überwiegend gut zu fahren. Allerdings ist ein paar Mal Stacheldraht gespannt, über den man das Rad heben muss. Bei ein paar als Casali bezeichneten Häusern muss man wieder ein Stück auf den S. 50, das ist etwas zugewachsen und nicht ganz leicht zu finden. Bald biegt man wieder links ab und kommt nach ein paar steilen Serpentinen direkt am See raus. Wer auf steile, schmale Abfahrten steht sollte diesen kleinen "Umweg" auf sich nehmen.
[2.3] Sentiero 3 (Val di Corpaglione): Der Weg geht diverse Kilometer in kleinen Wellen als fast durchgängig fahrbarer Single-Trail über Wiese, Fels und durch den Wald, unbedingt empfehlenswert!
[2.4] Sentieri 2,7 (Valle di Campiglio): Im Valle del Rilo ist dieser Streckenabschnitt als Mountainbike-Route ausgeschrieben – wieder so ein Weg, den ich absolut nicht nachvollziehen kann. Bergauf supersteiler Schotter- und Betonweg in sengender Sonne, bergab reine Bremsenfolter mit ständigen Querrillen, vor denen man jedes Mal in die Eisen gehen muss.
[2.5] Sentiero 20 (T. Toscolano): Vom Fluss rauf nach Segrane aufgrund des sehr groben Schotters definitiv unfahrbar, ich vermute auch anders herum nicht das reine Vergnügen. Da es wenig Alternativen gibt sage ich mal: Na ja…
 
[3.1] Funivia Monte Baldo: Die Seilbahn von Malcesine auf den Monte Baldo nimmt nur zu bestimmten Zeiten (und nur im Sommer) Räder mit, morgens bis 10:15 Uhr und dann wieder ab 14:15 Uhr. Die Plätze pro Fahrt sind sehr begrenzt, es empfiehlt sich die Karten für eine bestimmte Zeit so früh wie möglich zu kaufen, dann braucht man sich auch nicht in die irre lange Schlange anzustellen.
[3.2] Colma di Malcesine: Von der Bergstation der Seilbahn aus in Richtung Norden kann man auf dem Bergrücken fahren (bzw. schieben, fahren ist dort verboten). Der Trail vom Aussichtspunkt aus runter zur Straße ist leider unfahrbar (wirklich!), aber allein wegen der Aussicht lohnt sich der Weg hin und zurück bei gutem Wetter. Auf der südlichen Seite der Station gehen mehrere Wege in Richtung Malcesine, die sollen genial sein. Auf jeden Fall sind sie nichts für Anfänger oder nicht schwindelfreie Fahrer.
[3.3] Bocca del Creer: Wir wollten der Straße entfliehen und sind über den Sentiero 633 “gefahren”. Das war keine gute Idee, der ist zwar am Anfang sehr nett über Wiese, dann aber wieder absolut unfahrbar. Und zur Belohnung darf man danach wieder die Straße nach San Valentino hochklotzen.
[3.4] Sentiero della Pace: Auf dem Sentiero della Pace fährt man häufiger, er durchzieht weitläufig das ehemalige Kriegsgebiet. Wo wir ihn befahren haben (hier der S. 686) war er meist ziemlich gut fahrbar und landschaftlich sehr reizvoll.
[3.5] Sentiero 686: An der Bocca d’Ardole beginnt ein Downhill, im oberen Teil als sehr schön anzuschauender Wiesentrail. Wir sind ihn dann nicht weiter gefahren, weil wir die Befürchtung hatten, er würde weiter unten unfahrbar. Kann mich jemand eines Besseren belehren?
[3.6] Sentiero 687: Wir haben diese Abfahrt genommen, da er auf der Karte als etwas „größer“ eingezeichnet war als sein Nachbar 686. Oben noch leicht, im Mittelteil etwas schwer zu finden, wird er dann recht felsig und hat einige kurze Tragepassagen bevor es wieder „leichter“ wird. Alles in allem aber ein lohnenswerter Weg, wenn man Haarnadelkurven auf losem Untergrund mag.
 
[4.1] Passo Buole: In der Kompass-Karte ist eine Rundstrecke von Ala aus zum Passo Buole als Mountainbike-Tour ausgeschrieben. Auch die erwähnte Originalstrecke aus der Mountainbike fährt hier im Valle di San Valentino runter – da stellen sich mir die Nackenhaare auf! Wer will denn freiwillig eine mehr als 20 Prozent steile Schotterstraße runterfahren? Und ständig die Bremsen bis zum Anschlag ziehen? Rauf macht es auch bei „normalen“ Temperaturen sicher keinen Spaß, aber leider gibt es wenig Alternativen in dieser Gegend. Auf dem Kamm könnte es ganz nett sein, hier führt wieder der Sentiero della Pace entlang.
[4.2] Sentiero 117: Die Abfahrt litt als wir da waren im oberen Teil leider daran, dass, wohl von den Gewittern der vergangenen Wochen, sehr viel Windbruch auf dem Weg lag, nach ein paar Serpentinen wurde es aber besser. Ansonsten schmal und im oberen Teil geht es neben dem Weg recht steil hinunter, alles in allem aber ein echter Geheimtipp.
 
[5.1] Strada degli Eroi: Der Aufstieg auf den Pasubio von Süden aus ist auf Schotter mit erträglicher Steigung auf gutem Untergrund problemlos machbar. Lediglich ganz oben nach der Galleria General d’Havet wird es kurz etwas ruppig. Vorher hat man aber schon mehrfach sehr schöne Ausblicke auf die benachbarten Berge der „Piccolo Dolomiti“.
[5.2] Rifugio Papa: Oben auf knapp 2.000 Metern ist ein Rifugio, auf dem man – nach vorheriger Anmeldung – auch übernachten kann. Auf jeden Fall gibt es dort während der Sommersaison ordentliche Hüttenverpflegung.
[5.3] Porte del Pasubio: Das „Tor zum Pasubio“ ist sozusagen Verkehrsknotenpunkt für mehrere Wege, die dort zusammen kommen. Die bekannte „Strada delle 52 Gallerie“ ist für Mountainbiker aus gutem Grund verboten, sie ist schon für Wanderer nur mit Licht empfehlenswert. Aus der gleichen Richtung kommt die „Strade degli Scarubbi“, ein elendiges Schotterband, vermutlich gut fahrbar. Vom Anschein her weder rauf noch runter besonders schön, aber das ist sicher Geschmacksache. Nach Norden fahrbar ist von den kleineren Wanderwegen wohl am ehesten der Sentiero 120/121 und alternativ ab dem Sella del Piccolo Roite der Sentiero della Pace.
[5.4] Dente Italiano und Dente Austriaco: Der Weg (Sentiero della Pace, Sentiero 105) über die alten Stellungen aus dem Krieg ist zwar nicht fahrbar, aber sehr eindrucksvoll und unbedingt empfehlenswert. Auch die Anfahrt nach der Kapelle Santa Maria ist hoch nur noch in Teilen und für gut trainierte fahrbar, da loser Schotter auf mehr als 2.000 Metern Höhe. Es ist aber auch möglich unten herum über „Sette Croci“ zu fahren.
[5.5] Sella del Piccolo Roite: Von hier aus ist der Sentiero della Pace zum größten Teil fahrbar, allerdings teilweise sehr schmal und ausgesetzt. Außerdem ragen manchmal Büsche so unglücklich in den Weg, dass man mit Rucksack nicht sicher durch kommt. Aber wer schwindelfrei ist sollte dort lang fahren, der Weg ist recht spektakulär. Die übrigen Wanderpfade sind dort im Hochgebirge ziemlich sicher nicht fahrbar – aber vielleicht weiß es jemand besser.
[5.6] Bocchetta di Foxi (bzw. Bocca dei Foxi): Hier ist eine Wiese, zu und von der es diverse Wege gibt. In Richtung Rifugio Lancia gibt es Fahrwege, die kein Problem sind. Wer einen sicheren Tritt hat nimmt den Sentiero 102 von der Bocchetta delle Corde und dann die unzähligen Serpentinen des gleichen Weges hinunter nach Anghebeni. Die obersten zehn Serpentinen sind quasi unfahrbar, danach aber geht es gut.
[5.7] Pista Ciclabile Valle dell'Adige: Im Tal der Etsch und als Abzweig in Richtung Gardasee gibt es einige reine Radwege, die gut fahrbar sind. Mit dem Rennrad sicher nicht so toll, aber auf der Straße möchte man in Italien ja auch nicht unbedingt fahren, da Rücksicht für Autofahrer ein Fremdwort ist. Abseits der Hauptwege - und vor allem etwas abseits der Touristenzentren - ist es dann aber wiederum größtenteils entspannt, da die Einheimischen dort genug Zeit haben um auch mal eine Kurve mit dem Überholen zu warten!

 

Schöner Bericht

Schöner Reisebericht über Leiden und Freuden eurer Tour. Bei so einer Aktion kann man doch schnell mal den Begriff Radsport mit Radmord verwechseln, oder? Wer ist denn eigentlich der Sträfling im RSC Trikot, zu sehen auf dem Bild "Tag 4: Avio – Camposilvano". Ich dachte es waren nur Holger, Alex und Udo unterwegs! Also mit sonem Kerl hätte ich schon so ein bisschen Angst an den Abgründen der Bergwelt zu radeln! Gruß und gute Nacht Lito

Na, Udo war doch extra beim Frisör...

Na, Udo war doch extra beim Frisör... Und nach ein paar Stunden ohne Wasser kann man am ersten Bach schon mal das Lächeln vergessen!

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