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550 km und 15.000 hm - Trans-Schwarzwald 2008

Das Etappenrennen „Trans-Schwarzwald“ hatte ich mir schon in der Winterpause als Saisonhöhepunkt ausgesucht. Nicht so bombastisch wie ein Bike-Transalp, aber mit knapp 300 Euro für Frühbucher wenigstens noch bezahlbar. Am Ende sollte sich dieses "Abenteuer" als sehr lohnend herausstellen.

Nach einer Rennpause im Frühsommer und verstärktem Ausdauertraining in der letzten Zeit fuhr ich also am Freitag vor dem Rennen gut vorbereitet nach Pforzheim. Während der Fahrt peitschte ein schwerer Regenschauer nach dem anderen über die Autobahn, alles andere als gute Aussichten. Aber es waren ja noch zwei Tage Zeit bis zum Start. Da mir kein Team zur Verfügung stand hatte ich meine Eltern engagiert, um mich zu begleiten, so konnte ich mich voll auf das Fahren konzentrieren.

Die Besetzung allerdings konnte sich in diesem Jahr durchaus sehen lassen, mit Einführung der Einzelstarter hat sich das Rennen wohl endgültig in der Szene und bei den Profis etabliert. Bei den Zweierteams am Start das scheinbar unschlagbare Team Bulls mit Karl Platt und Stefan Sahm, die nach Trans-Germany und Transalp nun das Triple anstrebten, sowie mehrere Teams von Rothaus-Cube und Albgold. Noch zu erwähnen der Zweitplatzierte aus Steinhude, Cross-Spezialist Finn Heitmann mit Partner vom Team Focus-Alpecin. Auf Abwegen die Gerolsteiner-Profis Volker Ordowski und Tour de France-Teilnehmer Sven Kraus, übrigens auch Exprofi Michael Rich. Bei den Einzelstartern dabei der ehemalige Gerolsteiner-Profi Uwe Hardter, der deutsche Marathon-Meister Jochen Käß und der ehemalige Welt- und Europameister Ralf Näf – aber der sollte nach drei Tagen zu den Olympischen Spielen nach Peking abreisen. Auch bei den Frauen einige starke Etappenfahrerinnen, bei den Mixed-Teams beispielsweise die amtierende deutsche Meisterin Katrin Schwing, U19-Europameisterin Mona Eiberweiser und weitere ausgewiesene Spezialistinnen.

Den Samstag wollte ich noch nutzen, um mich einzufahren und an die Umgebung zu gewöhnen. Im Laufe des Tages kam die Sonne heraus und es wurde unglaublich schwül, bergauf floss der Schweiß in Strömen, bergab war es dann richtig kalt. Wahrlich keine optimalen Bedingungen, da spielten auch Kreislauf und Beine nicht mit. Oh je, das konnte ja heiter werden!

1. Etappe: 69 km, 1880 Höhenmeter

Von Pforzheim nach Bad Wildbad etwas Lockeres zum Einrollen… Nach quälend langen und nervös gefahrenen 7,4 neutralisierten Kilometern durch die Stadt ging es endlich richtig los. Der scharfe Start am Stadtrand wurde gleich schnell gefahren. Da wollte ich natürlich mit, weil es auf den ersten 14 Kilometern keine echte Steigung gab. Ich erwischte einen schönen Zug, in dem es mit bis zu 40 km/h durch den Wald ging. Ich wollte es auf der ersten Etappe noch ruhig angehen lassen, das hatte sich auch beim Transalp 2001 bewährt. Allerdings merkte ich schnell, dass hier aufgrund des Mittelgebirgscharakters der Strecke ganz anders gefahren wird als in den Alpen. Es war eher wie bei einem mit leicht angezogener Handbremse gefahrenen Marathon im Harz. Ich war jedenfalls, im Gegensatz zum Vortag, mit meinen Beinen sehr zufrieden und fand mich nach 3 Stunden, 19 Minuten und 40 Sekunden noch wenig erschöpft auf Platz 51 der etwa 200 Einzelstarter und als 18. der Seniorenwertung wieder. Da war zweifellos noch Luft nach oben, aber nach meinen Erfahrungen würden sich einige noch wundern, wie schwer es nach mehreren Tagen wird. Immerhin stand ich ab da in Startblock B und konnte immer mit den etwa gleich starken Fahrern starten.

2. Etappe: 89 km, 2750 hm

Die Königsetappe von Bad Wildbach nach Bad Rippoldsau gleich am zweiten Tag, vier schwere, steile Berge und noch diverse kleinere Steigungen zwischendurch. Die Sonne schien schon morgens, da brauchte man schon mal nicht viele Klamotten mit zu schleppen. Auch mit der Verpflegung klappte es sehr gut, das Konzept war verblüffend einfach: Riegel und Gels hatte jeder bereits bei der Einschreibung für die sieben Tage bekommen, Getränke wie Wasser und Elektrolyt-Mix wurden an den üblichen drei bis vier Verpflegungsstellen pro Etappe in Flaschen des Veranstalters während der Fahrt angereicht. Wer wollte – oder musste – konnte selbstverständlich noch Bananen, Kuchen und Riegel einstecken. Im Endeffekt habe ich während der Woche nicht ein einziges Mal unterwegs anhalten müssen. Auf der Strecke lief es bei mir gut, auch wenn ich den ersten Berg aus taktischen Gründen wieder etwas schneller angegangen war, um die anschließende Flachpassage in einer starken Gruppe zu überwinden. Nur am letzten Berg wurden die Beine etwas müde, aber dort bekam ich Windschatten von keinem geringeren als Raimund Dietzen! Der fuhrt mit seinem Sohn im Team, alleine wäre der alte Recke immer noch irre schnell. Im Ziel nach 4:27:51 h Platz 15 in meiner Altersklasse, immerhin schon mal eine Verbesserung.

3. Etappe: 75 km, 2400 hm

Statt Wegen gab es nur noch SturzbächeDie Strecke zwischen Bad Rippoldsau und Wolfach war zwar recht kurz, aber immer noch eine ganze Menge Höhenmeter an diesem Tag. Und zu allem Überfluss hatte es auch noch die ganze Nacht heftig geregnet, das kann in einem Wohnwagen schon recht nervig sein. Am Morgen schienen die Niederschläge abzunehmen, aber der Wetterbericht verhieß nichts Gutes. Und pünktlich zum Start schüttete es dann wirklich wie aus Kübeln. Zum ersten Mal konnte ich meine GoreTex-Jacke wirklich gebrauchen, während andere im Kurzarm los fuhren. Davon ließ ich mich nicht nervös machen, zumindest am ersten Anstieg wollte ich nicht frieren! Leider ging es an diesem Tag viele kurze Rampen hinauf, die meisten davon hatten sich in Sturzbäche verwandelt. Selbst auf ganz normalen Schotterwegen stand das Wasser zentimeterhoch, überall tiefe Pfützen auf der Ideallinie. Zum Glück war ich mit Langarm optimal angezogen und mir wurde trotz Dauerregens nicht kalt. Nur etwas Gutes hatte der unablässige Niederschlag: Es war zwar furchtbar nass, aber der Dreck am Fahrrad hielt sich eigentlich in Grenzen. Nachdem es die ersten 20 Kilometer tendenziell immer bergauf ging teilte sich die Gruppe auf dem anschließenden Teilstück mit langen Schotterpassagen. Da hieß es beißen und dranbleiben, auch wenn es mir eigentlich fast zu schnell war! Mir kamen nur die zahlreichen langen Abfahrten des Tages entgegen, hier konnte ich immer Lücken reißen und Plätze gut machen. Am Ende sollte dies in 3:52:09 h meine beste Tagesplatzierung bedeuten, der 33. Gesamtrang und Platz 13 bei den Senioren sprangen dabei heraus. An diesem Tag war ich sehr froh über meine Betreuung, direkt nach dem Zieleinlauf konnte ich trockene Klamotten anziehen. In der Gesamtwertung machte ich natürlich einen Sprung nach vorne, aber die harten Tage kamen nun erst.

4. Etappe: 55 km, 2170 km

Nur ganze 55,3 Kilometer bis Schonach, das klang doch leicht! Wo kamen da nur die über 2000 Höhenmeter her? Nur eine Abfahrt, quasi eine Bergankunft heute. Das gefiel mir gar nicht, die Kälte des Vortages machte sich auch in den Beinen bemerkbar. Viele Schottersteigungen, die mit Kraft und hohen Gängen hoch getreten werden mussten, nicht gerade meine Stärke. Ich war zwar teilweise wieder mit den gleichen Leuten unterwegs wie in den letzten Tagen, andere waren aber unerreichbar weit weg. Und dann blies einem der Wind auch noch ins Gesicht und ich war die letzten Kilometer zum ersten Mal alleine unterwegs. Der zweite Berg zog sich fast 30 Kilometer bis zum Ziel, 3:13:06 h bedeuteten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gerade einmal 17 km/h. Mit der Platzierung konnte ich wider Erwarten dennoch recht zufrieden sein, 16. in meiner Altersklasse.

5. Etappe: 112 km, 1910 hm

Auf der längsten Etappe ging es mit zahlreichen flachen Abschnitten nach Engen an den östlichen Rand des Schwarzwaldes, trotzdem kamen immer noch fast 2000 Höhenmeter zusammen. Das Streckenprofil gab die Taktik vor: Die ersten zwei Berge schnell angehen, um zwischen Kilometer 30 und 85 eine gute Gruppe zu erwischen. Hier gab es nur vier kleinere Hügel mit nicht einmal 100 Höhenmetern pro Anstieg. An diesem Tag lief es ziemlich gut, die Beine spielten am Start mit und ich kam gut hoch. Auch mein Plan ging auf, auf den Flachstücken klappte das Windschatten fahren in der etwa 20 Fahrer großen Gruppe optimal. Nach 65 Kilometern folgten wir einem Wegweiser in einen kleinen Singletrail, dem wir eine Weile folgten. Irgendwann erreichten wir eine Hauptstraße – hier war nichts abgesperrt und kein Wegweiser zu sehen. Mist, wir hatten uns verfahren! Wie konnte das sein? Egal, so schnell wie möglich zurück, auch die Gruppen vor und hinter uns teilten unser Schicksal. Immerhin hatte sich das Feld mit einigen guten Tretern aufgefüllt, da wurde wieder Tempo gemacht. Nach und nach rollten wir andere Gruppen auf und ließen sie hinter uns. Am Schluss gab es noch drei, vier kurze Rampen. Jetzt ließ ich mich nicht mehr abhängen, auch wenn die Oberschenkel im Wiegetritt brannten. Die Zielankunft mitten in Engen war über zehn Prozent steil, das tat noch mal weh. 4:23:05 h für 118 Kilometer, ohne Verfahren wären wir schneller gewesen als die im Roadbook angegebenen 27 km/h für den schnellsten Schnitt. Platz 14 für mich, das nenne ich mal Beständigkeit!

6. Etappe: 68 km, 1600 hm

Die vorletzte Etappe nach Grafenhausen sah auf den ersten Blick so aus, als sollte sie ziemlich einfach werden. Relativ kurz, nur drei nicht übermäßig schwere Anstiege und ein bisschen auf und ab zwischendurch. Aber selbst wenn der Vortag nicht so anstrengend gewesen wäre, ein Problem gab es noch: Am Vorabend hatte es wieder angefangen zu regnen und in der Nacht gab es unwetterartige Niederschläge. Vor dem Start war es zwar wieder trocken, aber mit 12 Grad ziemlich kalt und der Boden sehr aufgeweicht. Viel wärmer wurde es auch den Tag über nicht, zwischenzeitlich fiel immer wieder etwas Nieselregen. Von unten war es allerdings unglaublich schlammig, schon nach kurzer Zeit war die Kette verschlammt und zog sich die Kettenblätter hoch. Mit Wasser aus der Trinkflasche konnte man sie gerade soweit reinigen, dass normales Fahren möglich war. Als ich an einem leicht ansteigenden Stück gerade meinen Antrieb gängig machte, schob mich jemand wieder an die Gruppe heran – Finn Heitmann fuhr unsere Gruppe auf, nachdem seinem Teamkollegen das Schaltwerk abgerissen war und sie damit ihren sechsten Gesamtrang verloren hatten - natürlich war das ein SRAM… Unglücklicherweise ging es ausgerechnet heute viel über Wiesenabschnitte und Waldwege, da waren auch die 3:18:58 h bei maximal 15 Grad sehr Kräfte zehrend und nicht übermäßig gut für das Material, aber wieder einmal lief ich auf Platz 14 ein.

7. Etappe: 83 km, 2090 hm

Endlich das Finale, mit diversen kleineren Anstiegen am letzten Tag bis fast an die Schweizer Grenze nach Murg-Niederhof, der Heimat von Ex-Weltmeisterin Sabine Spitz. Aber die bereitete sich ja gerade auf die Olympischen Spiele vor. Meine Taktik war es, zu Beginn wieder schnell zu starten und mich möglichst weit vorne fest zu setzen, da es nach Kilometer 50 tendenziell nur noch bergab gehen würde. Das klappte an den ersten Bergen sehr gut, die Beine waren besser als erwartet. Ich konnte an den Steigungen von einer Gruppe in die nächste nach vorne fahren und einige meiner direkten Konkurrenten abhängen. Dazu kam, dass auffällig viele Fahrer auf den ersten Kilometern Reifendefekte hatten. Aber nach gut einer Stunde, am vierten Anstieg, wendete sich das Blatt. Von einem Moment auf den anderen hatte ich Schwierigkeiten, das Tempo meiner Gruppe mitzugehen. Ich versuchte noch eine Weile, mich vorne zu halten, aber an der nächsten Steigung musste ich abreißen lassen. Selbst auf dem folgenden Flachstück fühlten sich die Beine nicht wieder besser an, auch nach einer Erholungsphase konnte ich das Tempo anderer Fahrer nicht mehr mitgehen. Jetzt musste ich mich noch 30 Kilometer durchbeißen, bis es endlich bergab in Richtung Ziel gehen sollte. Mann, der Puls ging teilweise nicht mehr über 145 Schläge hoch, so sehr haben die Oberschenkel gebrannt. Dennoch hielt sich der Zeitverlust in Grenzen, am Ende war ich etwa fünf Minuten hinter meinen direkten Gegnern im Ziel. 3:45:45 h bedeuteten an diesem Tag Platz 17 in der Altersklasse.

In der Gesamtwertung nach sieben Etappen fand ich mich in 26 Stunden, 15 Minuten und 37 Sekunden auf Platz 14 in der Klasse der Senioren I wieder. In der Männer-Gesamtwertung lag ich am Ende auf Platz 39, in der Wertung waren nur noch 151 Fahrer. Mein Fazit: Eine wirklich gelungene Veranstaltung mit erstklassiger Organisation. Mit meiner Leistung bin ich ebenfalls sehr zufrieden, die ganze Woche hat eigentlich alles gepasst! Ich kann immer nur wiederholen, dass ich jedem nur empfehlen kann mal ein Etappenrennen zu fahren, spätestens ab Tag 4/5 wird es richtig spannend.

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